Examkultur in Korea

Mit dem von den Studierenden meist herbeigesehnten Ende des Semesters, mussten wir uns natürlich auch durch die Endklausuren behaupten. Und Prüfungskultur in Korea ist mit dem Standard, den ich aus Deutschland gewohnt bin kaum zu vergleichen.

Zwar habe ich bisher nur für ein Jahr an einer einzigen koreanischen Uni im kulturwissenschaftlichen Bereich studiert, aber durch meine eigene Erfahrung und die Erlebnisberichte meiner Kommilitonen und Freunde an anderen Unis und aus anderen Studiengängen, konnte ich mir ein relativ eindeutiges Bild der Examkultur in Korea machen.

20160615_204617

Fleißig am Lernen!

Generell steht es an koreanischen Universitäten an der Tagesordnung, enorme Massen an Daten, Fakten und Formeln auswendig zu lernen und sie dann wiederzugeben. Während ich aus Deutschland gewohnt war, mich mit generelle Konzepte oder Theorien auseinanderzusetzten und diese dann in logischen Schlussfolgerungen auf diverse Situationen anzuwenden, schien mir das koreanische System auf den ersten Blick enorm einfach. Und in gewisser Weise ist es das auch – wiederholt habe ich von „systemkritischen“ Studierenden und Professoren den Ausdruck „Lernroboter“ gehört.

Diese bittere, doch leider zutreffende Beschreibung fängt die extrem stressreiche Situation der koreanischen Studierenden erschreckend gut ein. Nicht nur, dass tatsächlich lächerlich umfangreiche Materialen auswendig gelernt werden müssen – z.B. ein 300-seitiges Lehrbuch, aus dem Wort-für-Wort zitiert werden muss – oft werden diese Materialen nur Tage vor der Endklausur zur Verfügung gestellt. Dabei hilft natürlich auch nicht, dass alle Examen innerhalb von ein bis zwei Wochen geschrieben werden und man so auch gerne mal zwei bis drei Examen an einem Tag hat.

Doch die Studierenden machen das Beste aus ihrem Los: Viele von ihnen ziehen vorübergehend in die Bibliothek ein, die in der Klausurphase 24-Stunden geöffnet hat. Andere bilden Lerngruppen mit ihren Freunden, um sich gegenseitig anzufeuern. Und generell gibt es einem Motivation und Trost, wenn man sich in seinen Lernpausen die Füße vertreten will und vor der Bibliothek seine Freunde trifft, mit denen man sich als Leidensgenossen ausweinen kann. XD

20160608_212319

Geteiltes Leid ist halbes Leid beim gemeinsamen Lernen (und Ausruhen).

 

Wenn man sich als Austauschstudent also wundert, warum die koreanischen Freunde in der Klausurphase zu verschwinden scheinen, die Bibliothek und alle Cafés in Uni Nähe aber brechend voll sind, dann hat sie wahrscheinlich das Lernfieber gepackt. Meiner Erfahrung nach ist es das Beste, sich dem anzuschließen. Bis sich das Erziehungssystem Koreas ändert, kann man so wenigstens ein bisschen Zeit mit seinen Freunden verbringen – und nebenbei wohlmöglich seine Noten verbessern. 😉

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s